systron Randentschichtung: Prozesssichere Entfernung funktionaler Beschichtungen

Funktion, Anforderungen und Praxiserfahrungen aus Architektur- und Isolierglasfertigung

Mit der zunehmenden Verbreitung von magnetrongesputterten Beschichtungen auf Architektur- und Isolierglas – etwa Sonnen- und Wärmeschutzschichten (Low-E) – gewinnt die Randentschichtung weiter an Bedeutung. Die meist mehrlagig aufgebauten Funktionsschichten verbessern die energetischen Eigenschaften des Glases erheblich, stellen jedoch gleichzeitig erhöhte Anforderungen an die Weiterverarbeitung.

In vielen Anwendungen – insbesondere im Isolierglasbereich – ist es erforderlich, die Beschichtung im Randbereich gezielt zu entfernen. Dies dient der Sicherstellung einer dauerhaft geeigneten Haftfläche für Dichtstoffe, der Langzeitstabilität des Randverbunds sowie konstruktiven oder optischen Anforderungen bei sichtbaren Glaskanten.

Technische Hintergründe für Randentschichtung von Float-Glas: Haftung, Feuchte, Optik

Magnetronbeschichtungen werden im PVD-Verfahren (Physical Vapor Deposition) mittels Magnetron-Sputtern auf das Floatglas aufgebracht und bestehen aus mehreren Funktionslagen, häufig mit einer oder mehreren Silberlagen als Kern. Diese leistungsfähigen „Soft-Coat“-Schichten ermöglichen hohe energetische Kennwerte, sind jedoch empfindlicher gegenüber mechanischer Beanspruchung und Feuchtigkeitseinwirkung. Zudem sind sie im Randbereich grundsätzlich nicht als definierter Haftgrund für Primär- oder Sekundärdichtstoffe ausgelegt.

Aus der Praxis erläutert Florian Temper, Betriebsleiter bei Eckelt Glas:

„Ohne Entschichtung besteht grundsätzlich die Gefahr von Haftungsproblem zwischen der beschichteten Glasscheibe und Dichtstoffen wie Butyl, Silikon, Polysulfid oder Polyurethan.“

Ergänzend zur Dichtstoffhaftung spielt die Randentschichtung für die Dauerhaftigkeit des Randverbunds eine wesentliche Rolle. Temper ergänzt: „Wird die Beschichtung im Randbereich nicht entfernt, ist in Abhängigkeit des verwendeten Beschichtungssystems eine Unterwanderung des Schichtaufbaus möglich. In weiterer Folge kann dies die Langzeitstabilität des Randverbunds beeinträchtigen, etwa durch Korrosion der Funktionsschichten oder einer reduzierten Haftfestigkeit.“

Darüber hinaus kann die Randentschichtung auch ästhetische Gründe haben, etwa bei Stufen-Isolierglas an Gebäudeecken. Bei Eckelt Projekten werden Randbereiche bevorzugt eingefärbt oder mit farbigem Silikon versehen, um ein sauberes Erscheinungsbild zu erzielen. Um die Randzone gegenüber Feuchteeintrag zu stabilisieren und eine dauerhafte Verbundqualität sicherzustellen, werden bei definierten Laminierkonfigurationen und Beschichtungssystemen bei Eckelt auch Verbundsicherheitsgläser randentschichtet.

Breite, Parameter und Materialvielfalt

Die erforderliche Entschichtungsbreite orientiert sich in der Regel an der Geometrie der Primärabdichtung des Isolierglases. In der Praxis liegt sie meist zwischen 10 und 12 mm, kann jedoch – insbesondere bei Structural-Sealing-Applikationen (SG) oder rahmenlosen Glasfassaden – kundenspezifisch vorgegeben werden.

Eine zusätzliche Herausforderung ergibt sich aus der großen Bandbreite an Beschichtungen am Markt. Unterschiedliche Schichtaufbauten sowie Schutzsysteme wie EasyPro- oder TPF-Folien erfordern eine präzise Anpassung der Bearbeitungsparameter.

Temper betont dabei einen oft unterschätzten Aspekt:

„Wichtig ist, die Haftung zwischen entschichteter Zone und Dichtstoff systembezogen zu prüfen.

Bestimmte gebundene Harze im Werkzeug können Rückstände hinterlassen – das kann kontraproduktiv sein und im ungünstigen Fall zu reduzierter Haftfestigkeit führen.“

Randentschichtung in der Isolierglas-Praxis mit einer systron Anlage

Wie die Randentschichtung konkret auf einer systron Anlage umgesetzt wird, kann Bojar Glass aus Polen berichten. Das Unternehmen arbeitet mit einer systron 3527proHD und hat die Option Randentschichtung kürzlich an seiner bestehenden Anlage nachgerüstet.

Die Funktion vor allem aus anwendungstechnischen Gründen implementiert, wie Geschäftsführer Krzysztof Harasimowicz erklärt:

„Wir haben die Randentschichtungs-Option kürzlich an unserer systron 3527proHD implementiert. Die Funktion arbeitet sehr zuverlässig.“

Der Hauptgrund für die Investition lag in der Vorbereitung von Isolierglaseinheiten mit Ausschnitten für Türgriffkassetten und Rotulen in Aufzugsschächten: „In diesen Anwendungen ist es zwingend erforderlich, die Low-E-Beschichtung zu entfernen, um eine dauerhaft dichte Verbindung zwischen Butyl und Glas sicherzustellen.“

Tests und Materialfreigaben aus der Praxis

Ergänzend zu den Kundenerfahrungen wurden im Haus erfolgreiche Tests mit unterschiedlichen Glastypen durchgeführt, unter anderem mit:

  • 6 mm Float, SGG COOL-LITE® SKN 165 II
  • 6 mm Float, SGG COOL-LITE® SKN 154 II EP
  • 6 mm Float, Pilkington XIV II
  • 6 mm Float, Guardian SunGuard® eXtraSelective SNX 60

Die Ergebnisse zeigen, dass eine prozesssichere Randentschichtung bei korrekt abgestimmten Parametern auch bei anspruchsvollen Beschichtungen reproduzierbar möglich ist.

Verfügbarkeit und Nachrüstung der systron Randentschichtung

Die Option Randentschichtung kann direkt bei der Konfiguration folgender Anlagen bestellt werden:

Zusätzlich ist die Randentschichtung auch als Nachrüst-Option verfügbar – bestehende systron Anlagen können damit gezielt erweitert werden, wenn neue Anwendungen, Glasaufbauten oder Anforderungen in der Isolierglas- bzw. Fassadenfertigung hinzukommen.

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